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Die Fahrt nach Weimar (14.-18.10.2011)

14.10.11

weimar1"Ich bin am Arsch der Welt", dachte ich, als ich aus dem Zug ausstieg. Wir – also Stefan und ich – waren in Lüneburg losgefahren und hatten in Hannover einen Oldenburger Falken eingesammelt – Tim. Nun standen wir allein auf einem Bahnhof, der nicht viel mehr war, als ein Stückchen Beton und ein Bahnübergang. Drum herum: Nichts! Außer einem Taxi, das auf uns wartete, um uns nach Burg Lorah zu bringen. Das würde für die nächsten Tage unser zu Hause sein. 

Die Burg sah nicht aus wie eine Burg, sondern eher wie ein alter Bauernhof. Eine freundliche Frau führte uns in den Rest der Burg, wo auch unser  Seminarraum war. Diesen mussten wir allerdings mit Öfen beheizen…

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Draußen war es eisig kalt. Ich bereute nur eine Frühlingsjacke dabei zu haben. Stefan und ich machten uns sogleich auf den Weg das Gelände etwas zu erkunden und ein Paar Fotos zu machen. Eigentlich hatten wir Hunger, aber wir mussten warten, bis der Rest der Oldenburger auftauchte, weil sie mit dem Bulli fuhren und deshalb alles an Essensvorräten eingepackt hatten. Letzten Endes kamen sie erst um kurz nach neun Uhr abends, sie hatten gleich drei Staus mitgenommen. 

Dadurch wurde auch unsere Zeitplanung etwas ins Wanken gebracht, nach dem Essen wurde nur noch der Verlauf der folgenden Tage geplant, dann gingen alle recht schnell schlafen… Was das nächste Problem war: Ich werde nie wieder mit etwas schnarchendem in einem Zimmer schlafen, dachte ich.

15.10.11

Das Frühstück war auf neun Uhr angesetzt worden. Zu früh, wie sich herausstellte. Wir frühstückten, als alle eingetrudelt waren, was dann um halb Zehn der Fall war. 

Danach fuhren wir einkaufen, wobei wir mindestens eine Stunde brauchten, um ein Dörfchen in der Nähe zu finden, das überhaupt einen Einkaufsladen besaß. Für insgesamt 10 Leute einzukaufen gestaltet sich als sehr zeitaufwendig, da man immer versucht, Mengen abzuschätzen, was aber bei einer solchen Truppe kaum möglich ist. Durch den Abend zuvor waren alle nach wie vor ziemlich müde, weshalb sich die eine Hälfte hinlegte und die andere anfing Mittagessen zu machen.

weimar2Nach dem Mittagessen verlegten wir uns dann in unseren Seminarraum und tauschten unsere Vorstellungen und Erwartungen zum morgigen Besuch im KZ Buchenwald aus. Wir hielten die Fragen fest, die wir durch den Besuch beantwortet zu erhofften. Danach teilten wir uns in Kleingruppen auf und erarbeiteten mit dem aus Oldenburg mitgebrachten Material die Themen Arbeits-/ Vernichtungs-/ Sammel- und Durchgangslager, das KZ Buchenwald (Geschichte) sowie ……. Der Wissenshunger war (und ist immer noch) riesig, sodass wir trotz der Kälte bis kurz vorm Abendbrot diskutierten, lasen, zusammen trugen und persönliche Erfahrungen austauschten. 

Abendliche Ansage: Egal wann ihr schlafen geht, ihr habt morgen fit zu sein! Gute Nacht.

 

16.10.11

weimar3Heute stand der Besuch im KZ Buchenwald an. Vor Ort wurden als Allererstes die Ergebnisse der Kleingruppen vorgestellt,  danach unternahmen wir in Gruppen von drei Personen mithilfe eines Audioführers einen Rundgang durch die Gedenkstätte und das Museum. Die Baracken der Häftlinge waren abgerissen worden, stattdessen sah man die Grundrisse in weißen und schwarzen Steinen ausgelegt sowie mehrere Gedenktafeln. Dadurch hatte man eine weite Sicht über das freigelegte Gelände, dessen Größe uns schockte, obwohl viele Häuser und Baracken immer noch nicht offen gelegt worden sind.  Am beeindruckensten, aber auch am grausamsten waren das Krematorium, der Leichenkeller und die Genickschussanlage, in der 800 polnische Gefangene umgebracht wurden. 

In dem Museum konnte man einen Einblick in das Lagerleben gewinnen. Es wurden viele Fotos (heimlich aufgenommen von Häftlingen oder öffentlich von SS-Angehörigen) ausgestellt, auf denen der alltägliche Terror der SS gezeigt wurde und bei deren Anblick sich mir zum zweiten Mal (nach der Genickschussanlage und dem Leichenkeller) der Magen umdrehte. Es wurden aber auch Zeichnungen und selbst gebastelte Spiele der Häftlinge gezeigt. Das beeindruckte jeden unserer Gruppe, weil es einen Schimmer normalen Lebens und Hoffnung der Insassen zeigte. Zum Ende des Tages besuchen wir noch das Mahnmal in Buchenwald und wir alle waren erstaunt, welch eine Größe es einnimmt.

 

17.10.11

weimar5Jeder hat seine eigene Weise mit einem Besuch eines derart grausamen Ortes wie eines KZ umzugehen. Ich zum Beispiel verkroch mich gestern ziemlich früh in meinem Schlafsack. Den heutigen Morgen begann ich dann aber auch sehr früh mit einem Spaziergang, auf dem ich versuchte das Gesehene und Gehörte zu verarbeiten. Später fand dann die Auswertung des Besuches in der Gruppe statt. Dabei mussten wir feststellen, dass wir uns trotz einer sehr guten und anschaulichen Ausstellung nicht vorstellen konnten, wie die Menschen (Opfer und Täter) in einem KZ gefühlt und gelebt haben mussten.

Wir machten uns Gedanken, wie man insbesondere Schülern ein so wichtiges Kapitel der deutschen Geschichte am besten vermitteln könnte. Dabei spielte besonders auch das Aussterben der Zeitzeugen eine Rolle. Wie kann verhindert werden, dass Ausstellungen und Gedenkstätten an Bedeutung verlieren, wenn es niemanden mehr gibt, der einen realen Bezug dazu hat?

Am späten Nachmittag besuchten wir die Gedenkstätte des KZs Mittelbau Dora.  Es diente erst als Außenlager Buchenwalds und wurde dann eigenständig. Auch dieses Gelände erschien mir riesig, obwohl der Großteil von Pflanzen überwuchert ist. Und wieder schockte das Krematorium, welches etwas oberhalb des restlichen Geländes liegt und noch gut erhalten ist. Vor dem Gebäude ist eine Steinplatte in den Boden gelassen, auf der die Nationalitäten der Häftlinge eingemeißelt worden sind. Es erschreckte mich wie viele Nationalitäten dort aufgelistet waren – von vielen wusste ich bereits, von Häftlingen iranischer Herkunft zum Beispiel hatte ich nichts geahnt.

 

18.10.11

Die Abreise

weimar7Nach einem guten Frühstück wurde beschlossen, Stefan alleine in den Zug nach Weimar zu setzten. Aber nicht weil wir ihn nicht mochten, sondern es war kein Platz mehr im Bulli. Wir wollten an unserem letzten Tag noch mal die Geschichte der Stadt „Weimar" erkunden. So konnte er, in über einer guten Stunde Zugfahrt die Landschaft genießen. Später erzählte er, wie schön sie war. Die Landschaft bestand größtenteils aus einem großem NICHTS! Stefan sprach begeistert von Bahnübergängen, die von älteren Damen bedient wurden. Nach einer kurzen Zeit waren wir wieder vollständig.  Also gingen wir los, auf der Suche nach den berühmtesten Söhnen der Stadt. Leider fanden wir nur die Häuser, ohne Goethe und Schiller.  Wir waren von der Stadt in ihrer Vielfalt sehr beeindruckt, es gab eine Menge bunter Häuser, viele Veranstaltungsorte für Jugendliche, eine schöne Uni und eine Schokoladen Manufaktur. Wir konnten sehen, das Weimar immer noch Kulturelles zu bieten hat. Nach einem weimar6schönen Rundgang durch die Stadt mussten sich leider der Weg von mir und Stefan trennen. Nicht weil wir uns jetzt nicht mehr mögen, nein jetzt geht es auf die Heimreise. Ich fahre mit dem Bulli noch mit nach Oldenburg, um von dort am nächsten Tag meine entspannte Urlaubsreise zu beginnen. Stefan der möchte liebe zurück nach Lüneburg, bestimmt vermisst er die restlichen Falken, die nicht mit konnten.

Zum Abschluss können ich und Stefan sagen, dass die Fahrt durchaus gelungen war, wir haben viele Eindrücke mitnehmen können, haben viele nette Falken kennen gelernt und würden sagen, dass wir eine Gedenkfahrt beim nächsten Mal wieder mitmachen.

Vielen dank an die Organisation und weiterhin viel Erfolg

wünschen Sarah und Stefan

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